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Positionspapier zur Zukunft der Riesebyer Schule

Situation

Rieseby ist ein Dorf mit vielen Annehmlichkeiten. Eine gute Infrastruktur, ein reiches Vereinsleben und ein immer größer werdendes Angebot im Rahmen des Handels und Gewerbes machen die Attraktivität des Dorfes aus. Dies wirkt auch weit über die eigentlichen Gemeindegrenzen hinaus nach Schwansen hinein.

Wer Rieseby zu seinem Lebensmittelpunkt wählt, kann auf eine hervorragende, weil vielfältige Kindergarten-Landschaft zählen und sieht seine Kinder in der Grund- und Hauptschule Rieseby gut betreut. Deshalb hat Rieseby in den letzten Jahren viele junge Familien angezogen und überall sieht man Kinder in den Straßen. Rieseby ist KEIN typisches Schlafdorf, wie es leider so viele in der Region gibt.

Neuordnung der Schullandschaft

Gesellschaftliche Veränderungen haben dazu geführt, dass die Schullandschaft neu geordnet werden soll. Auch die Menschen auf dem Lande sollen daran teil haben. Entscheidend sind langfristige Maßnahmen, die Chancengleichheit gleichermaßen berücksichtigen, wie Fehlentwicklungen der Vergangenheit ausgleichen sollen. Nicht nur die Ergebnisse der PISA-Studien spielen hier eine Rolle, sondern auch die ganz praktischen Erfahrungen im Schulalltag. Schüler wie Eltern, Lehrer wie Erzieher sind hier diejenigen, die nicht nur die Betroffenen sind, sie sind auch diejenigen, für die sich die Politiker mit ihren neuen Konzepten bemühen.

Keine Hauptschulen mehr

Zentral und für alle einsichtig ist die Forderung danach, dass es das dreigliedrige Schulsystem alter Machart so nicht mehr geben soll. Insbesondere die Hauptschule wird weder von den Eltern weiter als zukunftsfähig angesehen, noch klammern sich die heutigen Schulen daran. Als Konsens zeigt sich nach viel Diskussion und Information der letzten Monate, dass die Gemeinschaftsschule die Schulform ist, die neben dem nahezu unveränderten Gymnasium von Schülern und Eltern für tatsächlich zukunftsfähig und gleichermaßen wünschenswert erscheint! Diesen Anspruch haben Eltern in den Städten, aber berechtigterweise auch die Eltern der Kinder, die auf dem Lande aufwachsen. Die Regionalschule als „Alternative” am unteren Ende der Schullandschaft ist heute schon diskreditiert, denn ihr Konzept entspricht weder den Wünschen der Eltern, noch löst sie die oben erwähnten strukturellen Probleme, die ein Rückblick auf die Fehlentwicklungen an heutigen Hauptschulen bestätigt. Jede diesbezügliche Zeitungsmeldung schließt mit dem Hinweis, dass allgemein, aber besonders von den Eltern und Fachleuten, die Zukunftsprognosen der Regionalschulen als schlecht angesehen werden.

Schwansen darf kein weißer Fleck sein

Rieseby hat wie oben erwähnt eine Sonderstellung in Schwansen. Dies trifft auch den Schulstandort. Auch deshalb hat sich der Kreis zwischenzeitlich zu diesem Standort eindeutig geäußert und so ist Schwansen kein weißer Fleck auf der Landkarte der Schullandschaft von morgen, sondern ein wichtiger Trittstein. Nur am Rande sei erwähnt, dass Rieseby sich mit der Gesamtzahl der im Raum Schwansen zu beschulenden Schüler durchaus nicht vor Eckernförde verstecken braucht, eher ist hier von „gleicher Augenhöhe” (Amtsbereich Schlei/Ostsee) zu reden.

Eckernförde kocht sein eigenes Süppchen

Dass sich die Eckernförder Schulen frühzeitig strategisch positioniert haben und dabei die jeweils für sie optimalen Rahmenbedingungen schaffen, ist natürlich legitim. Das heißt aber trotzdem nicht, dass Rieseby in seinen Ansprüchen und Möglichkeiten beschnitten werden kann. Eine nüchterne und unaufgeregte Betrachtung zeigt deutlich, dass die „Eckernförder Vorstellung”, eine Regionalschule sei in Rieseby einzurichten, in keiner Weise den oben genannten Kriterien entspricht, die das neue Schulkonzept erfüllen soll. Eine solche Schule ist in Rieseby weder als Elternwille artikuliert, noch trifft sie in der Schule, dem Schulverband oder in der kommunalen Politik auf Gegenliebe. Rieseby beansprucht vor dem Hintergrund seiner speziellen Bedeutung für die zu schaffende Schullandschaft der Region Schwansen eindeutig die hier einzig richtige Schulart, die Gemeinschaftsschule. Nur so werden die Chancen der auf dem Lande lebenden Kinder gleichermaßen gewahrt, der Elternwille berücksichtigt und Ressourcen sinnvoll und kostengünstig genutzt.

Ressourcen

Eine vorbildliche, vorschulische Landschaft ist in Rieseby seit Jahren etabliert und weiter optimiert worden. Eltern können wählen zwischen Kinderstube, Kindergarten (ev.luth.), Waldkindergarten, „Vorschule” (gemeindliche Einrichtung). PISA hat eindeutig gezeigt, dass erkannte Probleme vom Kindesalter her so früh wie möglich erzieherisch bearbeitet werden sollten. Rieseby leistet hier gute Arbeit.

Das Schulgebäude ist in 2007 frisch renoviert worden und hat zusätzliche Räume für die Lehrer erhalten. Es handelt sich dabei nicht um uniforme Zweckbauten irgendwo zwischen Industriegebiet und Mischbesiedlung. Riesebys Schule liegt einerseits im Zentrum des Dorfes, andererseits aber auch am Rand zur wunderschönen Schleilandschaft. Schulhof und Gartenanlagen bilden ein dieser Einrichtung angemessenes Umfeld, in dem sich die Pause auch als solche „erleben” lässt. Eine große Sporthalle mit großflächigen Außenanlagen in unmittelbarer Umgebung stehen bereit.

Die Lehrerschaft ist fest verwurzelt und hat Bezug zum Standort. Das ist nichts Selbstverständliches. Nur wer weiß, woher er kommt, kann Teil des Ganzen sein. Der „Lehrer auf der Durchreise” ist hier die Ausnahme. Langfristiges Engagement und klare Bezugspersonen sind für die Schüler und Eltern ein Garant für eine gute Lernatmosphäre.

Soziale Probleme gibt es heute an allen Schulen. Deshalb ja auch die vielfältigen Reformen, die darauf abzielen, Probleme frühzeitig zu erkennen oder sogar schon zu vermeiden. Auch hier hat Rieseby nicht nur im letzten Jahr Maßstäbe gesetzt. Der aus der Schule heraus entstandene Arbeitskreis „Wir gegen Rechtsextremismus” hat eindrucksvoll gezeigt, dass engagierte Schüler, Lehrer und Bürger Probleme gemeinsam lösen können. Landes- wie Bundespolitiker haben der Riesebyer Schule und ihrem Arbeitskreis diesbezüglich Respekt ausgesprochen. Engagement ist durch nichts zu ersetzen.

Verkehrstechnisch hat Rieseby mit der Bahnanbindung eine gute Erreichbarkeit. Keine Busverbindung stellt einen derart verlässlichen und engmaschigen Takt zur Verfügung. Die Strecken zu Fuß vom Bahnhof zur Schule sind in wenigen Minuten zu bewältigen. Die ortsansässige Polizeistation liegt auf halbem Weg und stellt eine zusätzliche Sicherheitsressource dar. Erfahrungen in der Vergangenheit haben das untermauert.

Vielfältige, schulische Veranstaltungen wie Spielnachmittage, Wandertage, Ausflüge, etc. sind vor dem Hintergrund der Lage Riesebys in einer Weise einfach zu gestalten, dass Natur und Umwelt unmittelbar erlebt werden können. Nahe Wälder, Bademöglichkeiten an der Schlei und reichlich Platz zum Toben unmittelbar an der Schule sind Vorteile einer dezentralen Schule im Herzen Schwansens. Einfachheit ist hier das Gebot der Stunde.

Perspektiven

Vor dem Hintergrund der großen Veränderungen, die die Neuordnung der Schullandschaft mit sich bringen wird, stehen mittlerweile viele Schulen vor dem Problem, dass sie keinen Rektor finden (s. Gudewerdtschule). Zu viel Planungsunsicherheit allerorten. Auch Rieseby steht vor der Aufgabe, nach der Pensionierung von Herrn Jacobsen einen neuen Rektor zu finden. Solange aber noch nicht sicher ist, was für eine Schulart in Rieseby etabliert wird, ist diese Frage für eventuelle Bewerber natürlich offen. Wer wird sich schon auf ein Auslaufmodell (Regionalschule) bewerben? Nur eine Perspektive mit Namen „Gemeinschaftsschule” wird auch hier für neues Personal attraktiv wirken.

Der Schulverband und auch die politische Gemeinde ist sich vollkommen klar darüber, dass diese Frage – Gemeinschaftsschule in Rieseby – zu den wichtigsten Entscheidungen zur Zukunftsfähigkeit des Dorfes Rieseby innerhalb der nächsten 10 Jahre zählen wird, vielleicht wird sie die wichtigste überhaupt. Deshalb gibt es hier eine gemeinsame Entschlossenheit, die natürlich notwendige Investitionen und Kraftanstrengungen im Blick hat. Riesebys Kassenlage ist aber weder desolat wie bei so mancher Kleinstadt, sondern solide und belastbar. Die Prioritäten liegen fest, die Schule ist die oberste!

Die Lehrerschaft hat sich klar zur Gemeinschaftsschule bekannt. Auch hier ist mit förderlichen Effekten zu rechnen, wenn durch die Gemeinschaftsschule weitergehende Perspektiven fachlich und personell aufgezeigt werden. Der Gesamtelternbeirat stimmt dieser Auffassung unisono zu. Auch hier gibt es Engagement in diese eine, richtige Richtung!

Wer unser Klima schützen will, muss bei sich anfangen. Zentralität bedeutet immer einen besonders hohen Aufwand an Transport. Kinder, die aus Schwansen nach Rieseby fahren, haben kürzere Anfahrtswege als wenn sie bis nach Eckernförde transportiert werden müssten.

Was Rieseby nicht will

Würde Rieseby mit einer „Resteschule” auf das langfristig vorhersehbare Abstellgleis geschoben, würden durch die Transferzahlungen für die Schüler, die dann die Gemeinschaftsschulen in Eckernförde besuchten, alle dortigen Einrichtungen unterstützt. Das kann nicht im Sinne einer Entwicklung der Region sein, die nach wie vor ländlich geprägt ist. Das Land, das eigenständig für seine Bürger sorgen kann, sollte nicht zum Finanzier der Kleinstädte werden. Es ist nur der politische Wille, der dem entgegenstehen könnte.


Rieseby kämpft für seine Ziele und die Zukunft!


Am Standort Rieseby soll bestenfalls eine eigenständige Gemeinschaftsschule oder mindestens eine Gemeinschaftsschule in Kooperation mit einem weiteren Schulträger etabliert werden.


Für eine Gemeinschaftsschule in Rieseby!